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Vinyl überholt CD in UK

Erstmals seit 35 Jahren wurden in Großbritannien laut dem Handelsverband ERA (Entertainment Retailers Association) höhere Umsätze mit Vinyl-Platten als mit CDs erzielt. Insgesamt sind Musikverkäufe – physisch, Downloads und Streaming – im Jahr 2022 um drei Prozent auf knapp zwei Milliarden Pfund gestiegen.

Erstmals seit 35 Jahren wurden in Großbritannien laut dem Handelsverband ERA (Entertainment Retailers Association) höhere Umsätze mit Vinyl-Platten als mit CDs erzielt. Insgesamt sind Musikverkäufe – physisch, Downloads und Streaming – im Jahr 2022 um drei Prozent auf knapp zwei Milliarden Pfund gestiegen. Die jährlichen ERA-Zahlen unterscheiden sich von den zuvor veröffentlichten BPI-Zahlen insofern, dass sie reale Verkaufszahlen widerspiegeln und nicht die Charts-Einheiten, die der britische Branchenverband zur Grundlage nimmt.

„Wir nähern uns einem Wendepunkt“, sagt ERA-CEO Kim Bayley. „Dank der Investitionen und des Einfallsreichtums von Streamingdiensten einerseits und der physischen Einzelhändler andererseits, die die Vinyl-Wiederbelebung vorangetrieben haben, kommt in Sichtweite, dass Musik zum erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Einzelhandelswert von zwei Milliarden Pfund überschreitet. Musik muss großartig sein, um die Aufmerksamkeit der Leute zu gewinnen, aber es ist das Kauf- und Konsumerlebnis, das die Leute letztlich dazu bringt, Geld auszugeben.“

Physische Musik wurde durch große Veröffentlichungen im vierten Quartal von Taylor Swift oder den Arctic Monkeys sowie Nummer-eins-Alben von Sam Ryder und Weihnachtstiteln von Cliff Richard und Andrea Bocelli befeuert. „Midnights“ von Taylor Swift war das erfolgreichste Vinylalbum im Jahr 2022 mit mehr als 89.000 verkauften Einheiten in zwei Monaten, während „Harry’s House“ von Harry Styles mit 460.432 Einheiten das meistverkaufte Album quer über aller Formate war. Die aus dem Album ausgekoppelte Single, „As It Was“, wurde die erfolgreichste des Jahres mit 1.573.672 Einheiten.

Wachstumstreiber im britischen Markt war erneut das Streaming von großen Diensten wie Spotify, YouTube, Amazon und Apple Music. Die Einnahmen aus abobasiertem Streaming stiegen im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 1,66 Milliarden Pfund. Laut den Volumenzahlen des BPI stiegen die Audio-Streams um 8,2 Prozent auf 159 Milliarden Streams.

Der physische Umsatz ging leicht um 3,8 Prozent auf 280,4 Millionen Pfund zurück, aber die ERA betont, dass sich diese Zahlen einpendelten, da das teuere Vinylformat ein anhaltendes Wachstum zeigte, während die CD abrutsche. So hatte die BPI einen Rückgang der physischen Albumeinheiten um 13,1 Prozent gemeldet, obwohl der Absatzrückgang bei CDs allein 19,3 Prozent betrug.

Laut ERA stiegen die Umsätze von Vinylalben um elf Prozent auf 150,5 Millionen Pfund, während die Verkäufe von CD-Alben um 17,4 Prozent auf 124 Millionen Pfund zurückgingen. Damit hat die Schallplatte erstmals seit 1987 den Wert von CDs überboten.

2022 ergab sich zudem im Vinylmarkt eine Verschiebung weg von Katalogtiteln hin zu aktuellen Veröffentlichungen: Acht der in den Top 10 platzierten Vinylalben des Jahres wurden in den vergangenen zwölf Monaten auf den Markt gebracht – darunter LPs von Harry Styles, Taylor Swift, Liam Gallagher, Arctic Monkeys, Wet Leg, Fontaines DC, The 1975 und Muse.

Der Anstieg der Vinylumsätze im mittlerweile 15. Jahr lasse sich laut ERA teilweise auch durch die Treue der Fans erklären, die oft zu exklusiven Editionen greifen würden. Allerdings seien die Preise oft auf Werte über 30 Pfund geklettert. „Es ist eine Frage der Balance“, sagt Bayley. „Offensichtlich ist Exklusivität ein erfolgreicher Verkaufstreiber, aber wenn Sie es zu weit treiben, riskieren Sie den Widerstand der Fans. Es funktioniert zwar, einer kleinen Anzahl von Fans mehrere Varianten ein und desselben Albums zu verkaufen, aber wir sollten uns davor hüten, zu oft zum selben Brunnen zu gehen.“ Die ERA-Chefin führt aus: „Auf praktischer Ebene muss die Branche sicherstellen, dass das Produkt hinsichtlich Variante und Farbe etc. eindeutig gekennzeichnet ist und dass die Fans wissen, welche Formate wann herausgegeben werden.“

Trotz des Umsatzwachstums bei Vinyl im Jahr 2022 führt die ERA Bedenken hinsichtlich des Wirtschaftsklimas und seiner Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten im Jahr 2022 aus. Darüber hinaus sei der zweistellige Umsatzschub für das Format im vergangenen Jahr mehr von der Inflation als vom Volumen unterstützt worden.

Traditionell meldet die ERA auch Zahlen für den gesamten britischen Markt für Home Entertainment, der im Jahr 2022 im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 6,9 Prozent auf 11,1 Milliarden Pfund anstieg. Der am schnellsten wachsende Bereich war Video (plus 14,4 Prozent auf 4,3 Milliarden Pfund), gefolgt von Musik und danach Spielen (plus 2,3 Prozent auf 4,664 Milliarden Pfund).

Spiele stellen auch weiterhin den größten Umsatzsektor dar und machen 42,1 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit Videos und einem Anteil von 40 Prozent ganz knapp dahinter. Der Umsatzanteil von Musik beträgt 17,9 Prozent. Die guten Zahlen des Videosegments liegen am Abo-Streaming von Diensten wie Amazon Prime, Netflix, Disney+ und Now TV.