In einer Neujahrsnachricht an die Belegschaft von Universal Music, die MusikWoche vorliegt, erläutert CEO Lucian Grainge seine Vision für ein faireres Musikstreaming. Seine Lösung? Ein künstlerzentriertes Modell.
Grainge spricht in diesem Zusammenhang über den Teufelskreis, den Streamingdienste aus Profitgier befeuerten. So nutzen die Anbieter laut Grainge beliebte Künstler:innen aus, um Fans anzuziehen. Hätten diese jedoch erst einmal ein Abonnement abgeschlossen, lenkten Algorithmen sie zu Musik mit weniger künstlerischem Wert, die oft billiger in der Lizenzierung für die Plattformen seien oder gar von ihnen in Auftrag gegeben würden.
Diese Tracks, die teils nur 31 Sekunden lang sind und „kaum als Musik ‘durchgehen’“, führten somit zu einer niedrigeren Ausschüttung von Tantiemen und manipulierten das System. Das Ergebnis sei laut Grainge eine verminderte Nutzungsqualität für Endkonsument:innen sowie die geringere Vergütung und künstlerische Unterdrückung von Musikmachenden, die das Geschäftsmodell währenddessen weiter vorantreiben.
In diesem Sinne fordert Grainge ein „aktualisiertes Modell, um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren“. Das heutige Problem der Musikindustrie bestehe in seinen Augen nicht mehr aus dem altbekannten Konflikt zwischen Majors und Indies, sondern der Kluft zwischen jenen, die Artists fördern und in deren Entwicklung investieren und denen, die das System ausbeuten und Quantität über Qualität stellen.
Ein „künstlerzentriertes Modell“ bringe Vorteile für Künstler:innen, Fans und Labels zugleich, indem es den Wert der Plattformen steigere, das Abonnentenwachstum beschleunige und die Fan-Community besser monetarisiere.
Wie dieses Modell im Detail aussieht, beantwortet Grainge in seinem Schreiben nicht. Universal wolle 2023 jedoch daran arbeiten, mit dem Ziel „alle Artists – DIY, Indie und Major“ zu unterstützen und „ein gesünderes, wettbewerbsfähigeres Ökosystem in der Musik“ zu schaffen.
Neben dem Streaming blickt der CEO in seiner mittlerweile jährlichen Rundmail zum Jahreswechsel nochmals freudig auf den „Schlüsselmoment“ zurück, als die Universal Music Group 2021 als eigenständige Aktiengesellschaft an den Markt ging.
Er hebt auch die Erfolge seiner Artists hervor, zu denen unter anderem Taylor Swift, Olivia Rodrigo oder The Weeknd, aber auch deutsche Acts wie Helene Fischer oder Rammstein gehören. In Deutschland zeichneten bei Universal gesignte Musiker:innen für die Top vier Alben und die Top drei Singles in den Charts verantwortlich.
Zudem unterstreicht der Brite das gemeinnützige Engagement seines Unternehmens, das unter anderem Support-Programme für schwarze Artists und Branchen-Akteur:innen unterstützt.
Grainge betont auch die Fortentwicklung des Spatial Sound in Zusammenarbeit mit Dolby Audio. Insgesamt wolle er Fans im neuen Jahr „mehr“ bieten und fokussiere sich in diesem Zusammenhang auf den Ausbau von Technologien wie dem Web3, Metaverse, Apps und Gesundheitsangeboten.





