Mit den Einnahmen von mehr als 215 Millionen Euro aus der Vermarktung von Recorded Music habe man ein Niveau erreicht, „das wir zuletzt vor 15 Jahren gesehen haben“, bilanzierte Lienbacher bei der Präsentation der Jahresbilanz.
Zu der Entwicklung trug vor allem das Umsatzplus im Streaming bei, wo es formatübergreifend um 22,5 Prozent auf Einnahmen von 143,8 Millionen Euro bergauf ging. 79,6 Prozent der Gesamteinnahmen der Plattenfirmen Österreichs entfielen somit 2022 auf die Vermarktung von Musik über abobasierte oder werbefinanzierte Streamingangebote. Die Zahl der gestreamten Songs wuchs von 12,7 Milliarden im Jahr 2021 auf den neuen Rekordwert von nunmehr 14,8 Milliarden im Jahr 2022.
Im physischen Bereich, der über alle Formate um gut elf Prozent auf 32,8 Millionen Euro einbrach, wuchs das Vinyl um 4,3 Prozent auf Umsätze von 10,6 Millionen Euro. Die Einnahmen mit CDs gingen hingegen um 17 Prozent auf 20,4 Millionen Euro zurück. Lienbacher betonte, dass die CD dennoch weiterhin ein „sehr wichtiges Medium und Format“, bleibe, auch wenn die Digitalisierung und der Rückbau von Flächen im Handel doch „Spuren hinterlassen“ habe.
Dass die Lizenzeinnahmen der Musikunternehmen aus der Verwertung von Leistungsschutzrechten über die LSG nach der Corona-Delle inzwischen mit 31 Millionen Euro und einem Plus von 13,1 Prozent „fast den physischen Anteil“ erreicht habe, unterstreiche zudem „die Bedeutung dieser Umsatzquelle“.
In seinem Fazit sprach Lienbacher von einer „erfreulichen Entwicklung“, auch wenn man noch weit von den um die Jahrtausendwende erzielten Einnahmen entfernt sei: „Der österreichische Musikmarkt hat in den letzten Jahren einen beeindruckenden Aufschwung erlebt und wuchs auch 2022 dynamisch“, bilanzierte Dietmar Lienbacher, Managing Director Sony Music Austria. Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Musikmarkt der Alpenrepublik seine Dynamik sogar noch steigern: Vor Jahresfrist lag das Umsatzplus hier bei elf Prozent.
Die Verlagerung der Musiknutzung auf die zumeist international agierenden Plattformen schlug sich auch bei den österreichischen Musikproduktionen nieder: Während bei den gestreamten Songs im Jahr 2022 gerade einmal noch 3,6 Prozent auf Titel aus heimischer Produktion entfielen – 2021 waren es noch 4,7 Prozent – wuchs der Anteil österreichischer Produktionen bei den Alben im Vorjahresvergleich auf fast ein Viertel des Gesamtmarktes – 2021 lag dieser Anteil noch bei 18 Prozent.
Hannes Tschürtz, Geschäftsführer Ink Music und Vorstandsmitglied des Verbands der Österreichischen Musikwirtschaft, führte den „verschwindend geringen Anteil“ von Musik aus Österreich im Singlesbereich darauf zurück, dass es nicht immer leicht sei, bei der Breite des Angebots durch all den Lärm durchzudringen. Die Entwicklung bei den Alben aber zeige, „dass österreichische Musik nicht unpopulär“ sei.
Cornelius Ballin, General Manager Universal Music Austria und Vize-Präsident des Verbands der Österreichischen Musikwirtschaft, führte das unter anderem auf die Entwicklung im stationären Fachhandel zurück: „2022 wurde mehr Musik gestreamt als je zuvor, gleichzeitig hat Vinyl als physisches Sammelprodukt weiter an Bedeutung gewonnen. Dass unterm Strich ein deutliches Plus für den österreichischen Musikmarkt steht, ist sehr erfreulich.“ Als wichtige Aufgabe sehe man jedoch weiterhin „die Förderung österreichischer Künstler:innen im In- und Ausland“.





