Deutschland droht eine grassierende Krankheit. Der Name der Berliner Band Tanzwut ist keine neue Wortschöpfung, sondern ein historischer Begriff. Mehrfach verfiel die Bevölkerung des Mittelalters, das drohende Ende der Welt vor Augen, in einen tagelangen Veitstanz. Was daran gelegen haben könnte, daß die Menschen Getreide zu Brot verarbeitet hatten, das mit dem Mutterkornpilz verseucht war, der unkontrollierbare Zuckungen der Glieder auslöst – der Pilz enthält unter anderem ein Alkaloid namens Lysergsäurediäthylamid, kurz: LSD. Wie auch immer: „In vielen Städten gab es im 14. Jahrhundert zur Zeit der Pest Tanzwut-Bewegungen. In Lübeck zum Beispiel tanzten auf dem Marktplatz tausend Menschen „, berichtet der Sänger der Gruppe, der sich das Pseudonym Teufel zugelegt hat. Seit nunmehr schon zehn Jahren sammeln die fünf Musiker Erfahrungen mit ihrer Mittelalter-Band Corvus Corax. Unter dem Namen Tanzwut veröffentlichten sie jetzt ihr gleichnamiges Debütalbum bei EMI. Hier treffen mittelalterliche Dudelsäcke auf zeitgemäße Techno- und Rock-Elemente.
Produziert wurde das treibende Klanggebräu von Jon Caffery (Die Toten Hosen, Einstürzende Neubauten). Mit „Eisenmann“, einer deutschen Version von „Iron Man“, verneigt sich das Quintett vor der Gruppe Black Sabbath. „Textlich haben wir das Stück zu unserem gemacht“, merkt Teufel an. „Es geht darin um den Schutzpanzer, den man braucht, um in der Gesellschaft zu bestehen. Wir sind damals hinter der Mauer aufgewachsen und mußten uns nach der Wende erst diese nötige Schutzhülle zulegen.‘







