Musik

Renè Baumann alias DJ BoBo: „Ich erwarte nicht, dass ein Wunder geschieht“

Mit dem Album „Celebration“, das am 15. April erscheint, leistet sich René Baumann alias DJ BoBo einen Rückblick auf seine bemerkenswerte Karriere. Im Gespräch mit musikwoche.de zieht er die Bilanz seiner ersten zehn Erfolgsjahre.

musikwoche.de: Der Bundesverband Phono von 10,2 Prozent. Macht Sie das nervös? DJ BoBo: Es gibt ja hoffentlich bald wieder Positives zu vermelden. Ich denke, dieses Jahr wird man sogar wieder zulegen.

mw: Ihr Wort in Gottes Ohr. Woher nehmen Sie den Optimismus? BoBo: Ich bin von Grund auf Optimist. Das speist sich aber auch daraus, dass sich mein letztes Album besser verkauft hat als das davor, während drumherum alles nach unten zeigte. Aber natürlich bekomme ich wie jeder andere auch die Entwicklung zu spüren – 1995/1996 hatte ich mit einer Top-Ten-Single automatisch Gold; „What A Feeling“ war 2001 auf Platz 3 und hat dennoch ganz knapp Gold verfehlt.

mw: Sie feiern mit „Celebration“ zehn Jahre DJ BoBo – ist damit ein Kapitel abgeschlossen? Bobo: Als wir zum Zehnjährigen was machen wollten, war für mich klar: Ich möchte kein normales „Best Of“-Album. Ich wollte etwas Spezielles machen und richtig viel Aufwand dafür betreiben. Also habe ich musikalische Gäste gesucht, die zu den Songs passen, um einen Teil meiner alten Hits mit ihnen neu aufzunehmen, zumal ich das Glück habe, dass sich meine Songs schon immer sehr gut für Duette geeignet haben. Die Frau hat einen Refrain gesungen, und ich die Strophen; das ist schon von der Komposition her optimal angelegt. Jetzt kommt mir dieses Konzept zugute.

mw: Lange kreative Pausen haben Sie in den vergangenen zehn Jahren nie gemacht, oder? BoBo: Doch. Im Jahr 2000 habe ich nichts veröffentlicht; 2001 gestaltete sich allerdings wieder recht intensiv, mit dem Album „Planet Colours“ und der anschließenden Tournee. Aber ich kann doch nicht einfach Pause machen, das wäre ja langweilig.

mw: Damit geht einher, dass DJ BoBo nicht nur als Künstler aktiv ist, sondern sich auch um die Geschäfte seiner Firma kümmern muss. Ist Yes Music organisch gewachsen? BoBo: Wir sind mittlerweile mit 14 Leuten in der Schweiz ein recht großes Team. Angefangen hat das 1993, als wir von der DJ-Idee, vom Plattenauflegen, weg mussten. Uns war bewusst, dass wir eine Performance brauchten, irgendwie auftreten mussten. Mein Vorteil war, dass ich zur Breakdance-Zeit getanzt und die Kumpels von früher dazu geholt hatte. Die sind auch jetzt noch dabei und bilden das Kreativgerüst, was die Bühnenshows angeht. Ich kümmere mich mit Axel Breitung um die Musik, und die anderen in der Schweiz sind für den Rest zuständig, vom Kostüm bis zum Bühnenbild.

mw: Hat sich das Team in den vergangenen zehn Jahren personell verändert? BoBo: Nein, es ist allenfalls gewachsen. Ganz am Anfang, Ende der Achtziger, haben wir eigene Parties veranstaltet. Schon damals mussten wir alles selber machen, angefangen beim Plakate drucken, und deshalb war das dann auch nichts Neues. Die meisten Leute von damals sind noch dabei. Ich habe früher noch selber mit plakatiert. Wenn man so angefangen hat, hilft es dann später, wenn es um den Bau einer Bühne geht. Man hat nicht Angst vor solchen neuen Dimensionen – man macht einfach. Dieses „Einfach machen“ hatten wir übrigens auch bei EAMS: Die Deggendorfer haben am Anfang einfach gemacht, und irgendwie ging“s dann, und so wurde man mit der Zeit immer professioneller.

mw: Wird Ihnen das alles nicht zu viel? BoBo: Nein. Mir ist zum Beispiel noch nie der Gedanke gekommen, ich könnte meine Tournee von jemand anderem konzipieren und organisieren lassen; so etwas wäre das Schlimmste für mich. Das gilt auch musikalisch: Ich hole mir zwar gern Input und höre mir an, was andere sagen – aber wenn andere über meine Musik bestimmen würden, wäre es ganz übel. Und nach zehn Jahren ginge es sowieso nicht mehr. Das ist so, als ob du zehn Jahre lang Junggeselle warst, und dann kommt plötzlich eine Frau ins Haus – dann wird es wahrscheinlich schwierig, wenn deine Kaffeetasse beim Frühstück nicht mehr am gewohnten Platz steht. Nach zehn Jahren im Musikgeschäft weiß man halt, wo man die Prioritäten setzt.

mw: Apropos Kaffeetasse – hatten Sie dann nicht nach Ihrer Heirat im vergangenen Herbst gewisse Umgewöhnungsschwierigkeiten? BoBo: Nein. Nancy und ich kennen uns ja schon sehr viel länger.

mw: Es gibt nicht viele Künstler Ihres Bekanntheitsgrades, die so wenig Berührungsängste mit Ihrem Publikum haben, die keinem Kontakt mit den Fans aus dem Weg gehen. Finden Sie das normal? BoBo: Ich habe in den vergangenen zehn Jahren viele Kolleginnen und Kollegen gesehen, die gewisse Probleme haben, das was sie tun, richtig einzuschätzen. Ich habe Leute gesehen, bevor sie erfolgreich waren und als sie erfolgreich waren und auch später, als sie nicht mehr so erfolgreich waren – und sie haben sich immer drastisch verändert. Am Anfang waren sie ganz schüchtern, als sie oben waren, durftest du sie nicht mehr ansprechen. Und als sie wieder unten waren, sind sie allen Leuten hinterhergelaufen. Bei mir war so etwas vielleicht nie ein Thema, weil ich jederzeit wusste, wie wichtig die Leute sind, die unsere Shows besuchen und unsere CDs kaufen. Wir haben eine große Verpflichtung gegenüber diesen Menschen. Ich bin zwar auch nicht zu jeder Zeit gleichermaßen gut zugänglich; nach der Show brauche ich eine halbe Stunde Ruhe. Aber ich weiß auch, wie sehr sich die Leute freuen, wenn sie dir irgendwann persönlich gegenüber stehen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie gehen enttäuscht weg – oder sie freuen sich, dass sie dich mal gesehen haben. Und ich denke halt immer daran, wie sich das Gegenüber wohl fühlen mag.

mw: Woran liegt es, dass Ihre Karriere so haltbar ist? BoBo: Ich habe wahrscheinlich nicht vielen Klischees entsprochen. Ich kann mich erinnern, dass „Bravo“ 1994 jeden Mist von mir mitgemacht hat, ob ich nur beim Proben war oder sonstwas. Im Nachhinein fiel mir irgendwann auf, dass eine „Bravo“-Reporterin damals sagte: „Wir haben mehr Briefe für dich bekommen als für Take That.“ Aber ich konnte nichts damit anfangen. Für „Bravo“ war das ein Zeichen, dass da mehr war als bei den anderen Acts, etwas, das die Leute mehr anspricht. Was es aber genau ist, das weiß ich nicht.

mw: Wie viele Platten haben Sie in den zehn Jahren verkauft? BoBo: Ungefähr zehn Millionen.

mw: Was gibt es im Rückblick besonders zu feiern? BoBo: Wirklich speziell finde ich, dass wir immer noch in dieser Liga mitspielen dürfen. Es kommt mir ein bisschen so vor wie bei Pur. Bei deren 20-jährigem Jubiläum habe ich viele Parallelen gesehen, ob ich wollte oder nicht. Auch die Jungs wissen genau, was sie ihrem Publikum zu verdanken haben. Wir feiern in erster Linie, dass wir zehn Jahre lang auf so hohem Niveau dabei sind, dass so viele Fans dabei geblieben sind – und dass wir auch neue Fans dazu gewonnen haben. Als ich vor fünf Jahren bei einer „Bravo Super Show“ einem Kind ein Autogramm für seine Mutter geben musste, fing ich an zu realisieren, dass es inzwischen über die Jugendlichen hinaus geht.

mw: Haben Sie dann für die nächsten zehn Jahre die Eltern im Blick und nicht die Kids? BoBo: Ich hoffe, dass ich die Jugendlichen lange halten kann. Denn ohne sie sind wahrscheinlich keine Single-Erfolge möglich. Aber wir haben gemerkt, dass es uns ähnlich geht wie anderen etablierten Album-Acts: Wir verkaufen noch die erste Single und dann das Album, und das war’s. Die anderen Singles macht man dann noch fürs Radio. Wenn man zehn Jahre dabei ist, kommt eben irgendwann die Mutter mit ihrem Kind zum Konzert, und beim nächsten mal kommt sie mit ihrer Freundin und lässt das Kind zu Hause. Wir sehen das daran, dass die Leute in den Konzerten nur noch Sitzplätze wollen, obwohl sie dann die ganze Show über stehen. Das Kaufverhalten ist jetzt anders: Die teuersten Plätze gehen sofort weg, aber die günstigsten Plätze will keiner. Früher war das andersrum. Bei der nächsten Tournee haben wir zum ersten Mal vollbestuhlte Hallen. Das wollte ich eigentlich nie, aber wenn die Nachfrage so groß ist…

mw: Es gibt nicht viele Künstler, die als typischer Singles-Acts angefangen haben und sich dann zum Albumkünstler entwickelten. Wie erklären Sie sich das? BoBo: Das ist wirklich speziell. Am Anfang der Karriere hangelt man sich von Single zu Single und weiß, wenn die eine Single nicht geht, dann hat man vielleicht noch die nächste, wenn die aber auch nicht läuft, dann war’s das. Aber spätestens beim dritten Album haben wir gemerkt, dass es eine große Käuferschaft fürs Album gibt. Als selbst Radiojournalisten nach dem Album und nicht nach dem neuen „Hit“ fragten, waren wir auf dem richtigen Weg. Aber so richtig plannen kann man das nicht. Manche Kollegen hatten riesige Singles-Hits, aber keiner wollte ihr Album, obwohl das richtig gut war.

mw: Was noch hat sich in zehn Jahren verändert? BoBo: Die Länge meiner Haare. Damals war ich noch richtig langhaarig. Es ist übrigens recht interessant: Je kürzer die Haare wurden, desto mehr hat man mich im Fernsehen akzeptiert. Die kurzen Haare signalisieren anscheinend eine gewisse Seriosität.

mw: Wie war das damals mit Ihrer eigenen Fernsehshow? BoBo: Das habe ich unterschätzt. Ich dachte anfangs, da gibt es null Probleme. Ich hatte ein Angebot von RTL Television, mit Bärbel Schäfer eine Doppelmoderation für eine Musikshow zu übernehmen. Ich schrieb also meine Texte auf ein paar Kärtchen, und nach der Show fanden das alle super. Da fand ich: Na, dann mach‘ ich doch gleich eine eigene Sendung. Bedingung war: Es musste am Samstagabend viertel nach acht sein, und ich wollte das Konzept selber schreiben – und RTL war tatsächlich einverstanden. Aber wir merkten relativ früh, dass das ein schwieriges Unterfangen war; es wurde zu teuer, das Konzept hat nicht gepasst. Es war ein großes Chaos, es war live, und ich hatte sechs Kandidaten, deren Lebenslaufdaten ich kennen musste – und von diesem Moment an hatte ich große Achtung vor jedem TV-Moderator, der eine Live-Show schmeißt. Das habe ich nämlich total unterschätzt; ich bin zu übermütig reingegangen. Die Quoten waren zwar sogar noch gut; RTL war zufrieden. Aber das Konzept lief noch nicht rund, wir hätten mindestens noch zehn Sendungen machen müssen, bis es gestimmt hätte. Und die Fans waren verunsichert durch diese Doppelrolle Musik und Moderation. Viele fragten, ob ich jetzt ganz mit Musik aufhöre. Deshalb haben wir nach drei Shows nicht weitergemacht. Die Glaubwürdigkeit ist ein Problem, wenn man auf zu vielen Hochzeiten tanzt.

mw: Dann bleiben Sie also weiterhin lieber bei der Musik? BoBo: Ja klar. Es gibt zwar zu „Celebration“ keine Tournee, aber eine Show zusammen mit RTL II, die am 5. April in der Arena Oberhausen aufgezeichnet und am 13. April um 20.15 Uhr gesendet wird. Im April starten wir den Vorverkauf für die Tournee im Frühjahr 2003. Das wird die erste Tournee sein, für die ich zwei Alben habe – das Jubiläumsalbum mit drei neuen Songs und den Gästen, und dann kommt, wie sich’s gehört, zwei oder drei Monate vor der Tour das neue Album.

mw: Wie hat sich Ihre Musik in den vergangenen zehn Jahren verändert? BoBo: Ich merke, dass meine Musik zeitloser wird. Früher wollte ich immer möglichst trendy sein – jetzt versuche ich, möglichst authentisch und ein bisschen echter zu sein. Ich glaube, in Zukunft wird es mehr Expermientierfreude geben. Ich darf ja jetzt…

mw: Wieso jetzt? Hat EAMS das früher nicht erlaubt? BoBo:… weil die Zeit reif ist, nicht etwa wegen EAMS.

mw: Wie kam es eigentlich zum Wechsel zu BMG? BoBo: Ende 2000 haben wir noch den Vertrag mit EAMS verlängert; Ende Mai 2001 hatten wir dann Marketingmeeting und waren voller Tatendrang. Am Ende des Meetings nahm mich Erika Kraus von EAMS beiseite, weil sie mich noch sprechen wollte. Ich fragte: „Was ist passiert, ist jemand schwanger?“ Sie meinte: „Nein, aber fast.“ Sie hat mich informiert, dass sich Susanne Radlsbeck entschieden hat, dass sie die Firma EAMS nicht mehr weiterführen möchte. Das kam für mich aus heiterem Himmel, aber es war eine persönliche und eine unternehmerische Entscheidung, die ich akzeptieren musste. In der Folge wurde klar: EAMS wird die Geschäftstätigkeit als Plattenfirma einstellen.

mw: Fanden Sie das gut? BoBo: Im langen ersten Moment konnte ich es nicht so richtig verstehen. Aber wenn ich jetzt zurückblicke und auch sehe, was in der Branche so abgeht, muss ich sagen, dass vielleicht noch zu einem vernünftigen Zeitpunkt kam – lieber so, als noch vier oder fünf Jahre zu warten, ohne zu wissen, was passiert. Die Ungewissheit ist wahrscheinlich anstrengender.

mw: Was wollten Sie da tun? BoBo: Es gab Überlegungen, ob wir ein Management-Buyout machen sollten, und wir haben nach Wegen gesucht, EAMS in einer anderen Form weiterzuführen. Aber das kam alles nicht in Frage. Ich hatte auch die Möglichkeit, meine Rechte zurückzukaufen. Aber wir wollten zu einer für beide Seiten guten Lösung kommen. Und gleich am Anfang kam BMG ins Spiel. Ich wollte keinen Konzern aus dem Ausland; ich brauche den direkten Kontakt, wollte von keinem Briten oder Amerikaner für Entscheidungen abhängig sein. Und mir war klar, eine deutsche Firma müsste auch an einer Auslandsauswertung mehr Interesse haben. Wir haben konkret mit drei potenziellen Partnern gesprochen. Ich fand es übrigens extrem professionell von EAMS, dass wir von Mai bis heute so weitergearbeitet haben, als würde „Celebration“ bei EAMS veröffentlicht werden. BMG brauchte nur zu übernehmen. Das gibt“s nur einmal: Da sorgt gleich nach der Vertragsunterzeichnung ein fertiges Produkt sofort für Umsatz.

mw: Was erhoffen Sie sich von BMG auf internationaler Ebene? BoBo: Wir waren schon mit EAMS sehr gut in Südamerika und in Osteuropa positioniert. Und wir waren immer schwach in England und Amerika. Ich erwarte mir jetzt nicht, dass da ein Wunder geschieht. Aber ich glaube, dass einige neue Länder durch einen gewissen Druck aus dem Mutterhaus hinzu kommen.

mw: Auch England oder Frankreich? BoBo: Ich war in England schon zweimal in den Charts – halt sehr bescheiden auf Platz 47.

mw: Wenn DJ Ötzi in England funktionieren kann, dann funktioniert doch auch DJ Bobo, oder? BoBo: Ich wäre da vorsichtiger. DJ Ötzi hat mit den Urlaubern zu tun… Apropos: Ich war jetzt immerhin drei Wochen auf Hawaii im Urlaub – statt Amerikatour. Aber ich habe den dortigen Markt abgecheckt und kann sagen: Vergesst es; die Amis sind musikalisch ein bisschen durcheinander. Die Illusion, den Weltmarkt zu erobern, hatte ich sowieso nie, dazu bin ich zu sehr Handwerker. Es würde mir Spaß machen, in Amerika mal einen lucky punch zu landen – aber die haben einen eigenen Markt, und das ist okay. Ich freue mich, wenn wir unseren Erfolg im europäischen Ausland und in Südamerika halten können. Den größten DJ-BoBo-Fanclub gibt es übrigens in Chile mit über 1000 Mitgliedern. Die schicken sogar eine eigene Gruppe aus DJ-BoBo-Doubles auf Tournee, die dann vor 1500 Leuten spielen. Und durch das Internet ist die Kommunikation mit den Fans auch direkter geworden, weshalb ich viele Dinge weiß, die in den Fanclubs passieren. Und so lange die EMI Robbie Williams nicht in den USA veröffentlicht, muss ich eben auf der Liste noch hintanstehen.

mw: Was ist auf der DVD alles drauf? BoBo: Sie kommt am 3. Juni und enthält in erster Linie die Jubiläums-Show, die am 5. April in der Arena Oberhausen aufgezeichnet wird. Es ist eine Art „Best of 10 Jahre“ von mir, auch visuell. Wir zeigen die Highlights aus allen Bühnenshows und haben die Gäste auf der Bühne. Dazu gibt es eine History und die Dokumenation der Aufnahmen mit den Gästen im Studio.

mw: Was meinen Sie – wird die DVD die CD ablösen? BoBo: Sie wird bestimmt sehr wichtig werden, aber als eines von mehreren Medien. Der DVD-Markt wird auf jeden Fall noch richtig explodieren.

mw: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den No Angels auf dem Stück „Where Is Your Love“? BoBo: Ich war überrascht von der Professionalität der Mädels. Dabei dachte ich am Anfang, die würden auf keinen Fall sehr lang zusammen bleiben – fünf Frauen, die man in einer TV-Show gecastet hat, das kann doch nicht gut gehen. Mein Vorurteil wurde inzwischen gründlich widerlegt.

mw: Das Titelstück „Celebration“ stammt im Original von Kool And The Gang und ist die erste Single aus dem neuen Album. Wie kam es zur Coverversion? BoBo: Ich habe früher in Interviews immer gewettert und gesagt, ich finde es nicht sehr einfallsreich, Coverversionen zu machen. Bei „What A Feeling“ konnte ich mich noch damit herausreden, dass ich die Originalinterpretin Irene Cara hatte. Aber „Celebration“ musste einfach sein. Wir haben ursprünglich im Studio nur ein bisschen damit herumgespielt. Mein Co-Produzent Axel Breitung meinte: „Das kannst du nicht machen.“ Ich schlug vor: „Lass es uns wenigstens mal probieren, und wenn wir nach zwei Stunden nichts Vernünftiges im Kasten haben, vergessen wir es ganz schnell wieder.“ Nach zwei Stunden hatten wir aber was Tolles im Kasten, und auch Axel war begeistert. Und die bisherigen Reaktionen sind so gut, dass es mir schon fast wieder ein bisschen Angst macht, weil es eben eine Coverversion ist.

zur person: René Baumann, Produzent, Komponist, Texter, Sänger und Tänzer

geboren am 8. Januar 1968 in Kölliken (Schweiz), verheiratet

Vom Tellerwäscher zum Millionär – eine solche Karriere hat René Baumann nicht zu bieten. Aber fast: Der gelernte Bäcker und Konditor blickt auf eine Atem beraubende zehnjährige Laufbahn zurück. In dieser Zeit erhielt er weltweit rund 250 Gold- und 20 Platinplatten, und seit sieben Jahren ist er als erfolgreichster Schweizer Künstler auf den World Music Award abonniert – um nur einige Eckwerte seines Erfolgs zu nennen. Mit 18 Hits war DJ BoBo seit 1993 in den deutschen Charts vertreten. Damit sicherte er sich einen Platz in der Bestenliste der Künstler mit den meisten Titeln in den Top 100, und zwar auf Rang 10 nach Roxette, Madonna, Mariah Carey, Elton John, Janet Jackson, Pet Shop Boys, Rod Stewart, Tina Turner und Prince – und übrigens vor Kollegen wie Michael Jackson oder Scooter. 1993/ 1994 hätte wohl kaum jemand darauf gewettet, dass dieser DJ BoBo mit seinen flotten Europop-Liedern nach einigen Jahren mit seiner aufwändigen Live-Show die größten Konzerthallen füllen würde. Doch Tourneen wie „World In Motion“ (1997), „Magic“ (1998), „Mystasia“ (1999) oder „Planet Colors“ (2001) gerieten zu Triumphzügen. Aber damit nicht genug: Mit acht Alben seit 1993 schaffte DJ BoBo auch die Entwicklung vom Singles-Act (ein Modell, das normalerweise mit eingebautem Verfallsdatum daherkommt) zum langlebigen Albumkünstler. Die Details dieser Erfolgsstory mag, wer will, im Internet unter www.djbobo.ch nachlesen. Oder aber in der Autobiografie „Gestatten, René Baumann“, die 2001 im Zytglogge Verlag erschien.