“Kommerzielle Musikpiraterie dominiert große Bereiche des globalen Musikmarktes. Dieser illegale Handel finanziert die organisierte Kriminalität, beflügelt die Korruption und kostet die Regierungen Hunderte Millionen von Dollar an verlorenen Steuern“, kommentierte IFPI-Chairman und CEO Jay Berman den Report des Verbandes der internationalen Tonträgerindustrie zum Stand der globalen Musikpiraterie. Berman präsentierte den Report zusammen mit Alain Levy, Chairman & CEO, EMI Music, am 22. Juli in London. Dem Bericht zufolge haben die weltweiten Verkäufe von CD-Raubkopien mit 1,1 Mrd. Exemplaren eine neue Rekordmarke erreicht. Das Geschäft mit illegaler Musik kam damit 2003 auf ein Volumen von 4,5 Mrd. Dollar. 35 Prozent aller weltweit verkauften CDs sind laut IFPI Raubkopien. War 2000 noch eine von fünf verkauften CDs eine Raubkopie, so ist es 2003 bereits eine von drei, Tendenz steigend. Damit wuchs das weltweite Geschäft mit Raubkopien in 2003 um vier Prozent – immerhin die geringste Wachstumsrate seit vier Jahren. Auch die Verbreitung illegaler CDs hat sich nach Auskunft der IFPI verlangsamt.
Die IFPI verbucht dies als Erfolg der verstärkten Strafverfolgung, die zur Beschlagnahmung von Rohlingen, Raubkopien, CD-Brennern und ganzen Presswerken geführt habe. Allein in Asien sei Equipment sicher gestellt worden, mit dem 300 Mio. CDs – knapp ein Drittel aller weltweit verkauften Raubkopien – hätten hergestellt werden können. Insgesamt wurden 56 Mio. CDs beschlagnahmt – 2001 waren es noch 13 Mio. gewesen. Auch in Brasilien, Griechenland, Peru, Mexiko und Italien konnte die IFPI im Zuge großangelegter Aktionen, teilweise mit Polizeieinsatz, Fahndungserfolge verbuchen. Grundsätzlich wies die IFPI nochmals auf die Verbindung von Piraterie und organisiertem Verbrechen hin. Laut Interpol würden durch Güterfälschung 500 Mrd. Euro pro Jahr in kriminelle Organisationen fließen. Außerdem hätten sich Urheberrechtsverletzungen zur beliebtesten Art der Geldbeschaffung für terroristische Vereinigungen entwickelt.
Neben der illegalen Pressung von CDs werde auch das illegale Brennen immer mehr zum Problem. CD-Brenner können eine CD von 74 Minuten Länge in rund drei Minuten kopieren. Dabei variiert die Form der Urheberrechtsverletzung regional. So werden in Asien und Russland CDs vor allem in Presswerken kopiert, wogegen CD-Rs den Löwenteil raubkopierter CDs in Lateinamerika, Nordamerika und Europa ausmachen. Die IFPI macht unter anderem mangelnde Regulierungsmaßnahmen für die Produktion von CDs seitens der Regierungen für den florierenden Handel mit Raubkopien verantwortlich.
Die IFPI fordert die Regierungen in ihrem Report ausdrücklich auf, wirksame Urheberschutzgesetze durchzusetzen, abschreckende Strafen zu verhängen, die Herstellung von CDs zu regulieren und Urheberrechtsverletzungen konsequent zu verfolgen. Zehn Regierungen wurden zudem besonders ermahnt, gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen, darunter Brasilien, China, Mexico, Pakistan, Spanien und Russland. China führt die Pirateriestatistik mit einem knapp 600 Mio. Dollar schweren Schwarzmarkt an, gefolgt von Russland mit einem Schwarzmarktvolumen von 330 Mio. Dollar. „Es ist die Verpflichtung der Regierungen, entschieden gegen dieses Problem vorzugehen. Das bedeutet wirksame Gesetzgebungen, abschreckende Urteile gegen Musikpiraten, effektive Regeln für das Brennen von CDs und vor allem den politischen Willen, wirklich etwas verändern zu wollen“, bekräftigte Berman.




