musikwoche.de: Welche Abonnentenzahl brauchen Sie, damit Goldstar langfristig wirtschaftlich funktioniert?
Gottfried Zmeck: Wir können mit dem Niveau, das wir jetzt erreicht haben, langfristig gut kalkulieren. Wir werden wohl gegen Jahresende feststellen, dass wir operativ in den schwarzen Zahlen sind. Das ist unser Ziel für dieses Jahr.
mw: Welche Größenordnung halten Sie mittel- bis langfristig für erreichbar?
Zmeck: Die bisher erreichte Million an Abonnenten hat sich aktiv für das Gala-Paket mit Goldstar TV entschieden. Ab 1. Juli wird sich die Vermarktungsstruktur von Premiere World etwas ändern. Die Pakete Gala und Family kommen zusammen. Daher erwarten wir uns natürlich, dass sich eine wesentlich höhere Verbreitung ergibt. Wir kommen dann in eine Größenordnung von über zwei Millionen.
mw: Die Erwartungen des Publikums sind von den Standards der großen Sender in punkto roduktionstechnik, Aufwand und Vielfalt geprägt. Wieweit ist Goldstar TV diesbezüglich in seiner Entwicklung? Und was ist künftig noch drin?
Zmeck: Ich glaube, wir haben schon auf einem relativ hohen Niveau begonnen. Wir haben täglich vier moderierte Formate, mit durchaus prominenten Moderatoren. Wir haben eine wöchentliche Sendung mit Uwe Hübner, in der im Laufe der Zeit schon alles zu Gast war, was Rang und Namen hat in dieser Branche.
Ich denke, auch was die Musik-Clips anbetrifft, haben wir ein gutes Niveau. Wir haben im ersten Jahr sehr viel produziert, sehr viele Konzerte gemacht, und in diesem Jahr haben wir auch Highlights wie beispielsweise ein Konzert von Michelle – erstmals gibt es im TV einen kompletten Live-Mitschnitt aus dem ausverkauften Friedrichstadt-Palast.
mw: Sie haben es in punkto Clips ja mit einer Problematik zu tun, die MTV oder Viva so nicht kennen: Das Genre, mit dem sich Goldstar TV überwiegend beschäftigt, hat in der Vergangenheit nicht so viele und so hochwertig produzierte Clips hervorgebracht.
Zmeck: Das ist richtig. Das ist a priori ein strukturelles Problem, mit dem wir aber bisher ganz gut leben konnten. Zum Teil dadurch, dass wir selber Clips produziert haben. Die Zielgruppe, die wir ansprechen, will auch etwas andere Clips sehen als etwa das MTV- oder Viva-Publikum.
Man muss da auch der gelernten Wahrnehmung der Zuschauer Rechnung tragen: Sie sind gewohnt, dass die Stars auf der Bühne stehen, dort ihren Live-, Playback- oder Halb-Playback-Auftritt haben – deswegen engagieren wir uns ja auch bei solchen Konzerten oder Events. Etwa dieser Tage im Falle Howard Carpendale. Wir kooperieren regelmäßig mit dem ORF. Die „Schlagerparty Mallorca“ zusammen mit der „Bild“-Zeitung werden wir auch wieder machen.
Wir versuchen, erstmals auch eine Schlagerkreuzfahrt als Goldstar-TV mit zu gestalten und mit zu verkaufen. Wir haben in den ersten 14 Monaten an die 400 Clips produziert, wenn man die „Bei Hübner“-Sendungen mit einrechnet, die ja immer mit einem Auftritt des Gaststars enden.
mw: Die meisten Spartenprogramme haben das Problem, dass die ganz großen Events für sie nicht erreichbar sind…
Zmeck: Bei uns ist das anders. Ich glaube, die schnelle Akzeptanz für unseren Sender rührt auch daher, dass wir Big Events haben. Etwa die Schlagerparty auf Mallorca – in diesem Jahr werden Interpreten wie Roberto Blanco, Jürgen Drews, Olaf Henning und DJ Ötzi dabei sein – das ist ein Line-Up, wie Sie es bei Konzerten selten geboten bekommen.
Das ist also ein Big Event – wir schaffen uns auf diese Weise auch unsere eigenen. Live-Konzerte von Michelle oder Howard Carpendale sind in unserem Genre definitiv Big Events, die sie in dieser Ausführlichkeit im Free-TV nicht geboten bekommen. Wir machen demnächst zwei Koproduktionen mit dem ORF – eine davon haben wir schon im letzten Jahr mitproduziert: in Pörtschach, die „Nacht der Stars“ am Wörthersee mit Al Bano Carrisi, Vicky Leandros, Claudia Jung und anderen.
Es war auch sehr erfreulich für uns, dass wir in den Fällen Howard Carpendale und Michelle die Kooperation der jeweiligen Plattenfirmen gewinnen konnten, die das Produkt, das wir herstellen, auf Video, DVD und möglicherweise als Live-CD verwerten wollen.
mw: Haben Sie das Gefühl, dass die Tonträgerindustrie das Potenzial ihres Senders hinreichend erkannt hat, oder gibt es da aus Ihrer Sicht noch Nachholbedarf?
Zmeck: Da sehe ich noch Verbesserungsbedarf. Wobei wir auch nicht zu ungeduldig sein sollten. Wir sind ja noch nicht einmal eineinhalb Jahre auf Sendung. Natürlich hat es viele gegeben, die erst einmal abgewartet haben. Angesichts dieser Situation bin ich mit den Kooperationen, die wir heute haben, zufrieden. Gerade die Herren Rybnikar und Hellwig in ihren jeweiligen Häusern, aber auch die BMG Hansa haben sich da innovativ gezeigt, aber das kann und soll insgesamt noch mehr werden.
mw: Wo haben Sie in der Zusammenarbeit mit der Musikindustrie noch Probleme?
Zmeck: Da gibt es einen ganz klaren Punkt: Das ist die Frage der Videos. Da ist es uns noch nicht gelungen, die Tonträgerindustrie davon zu überzeugen, dass sie das tut, was in anderen Musikbereichen selbstverständlich ist. Die Firmen bemustern im Schlagerbereich jeden Radiosender mit CDs, aber es wird nicht automatisch auch ein Video gemacht. Das sind immer noch Einzelfälle, so wie Sony Music bei Nino de Angelo zu „Schwindelfrei“.
mw: Das hat ja auch den Hintergrund, dass der Industrie durch die hohe Rate der von Viva und MTV abgelehnten Videoclips nicht unerhebliche Kosten entstehen…
Zmeck: Man muss aber für unseren Bereich nicht unbedingt in den selben Kostenkategorien denken wie für ein internationales Popvideo. Es gibt auch Mittel und Wege, sehenswerte Videos herzustellen, ohne deshalb gleich sechsstellige Budgets zu verbrauchen. Hier arbeiten wir gegenwärtig an entsprechenden Konzepten. Wir wollen in der zweiten Jahreshälfte in der Lage sein, der Musikwirtschaft zu vernünftigen Preisen eine Produktionsschiene anzubieten, nicht zuletzt auch für Nachwuchskünstler, was mir persönlich ein besonderes Anliegen wäre.
mw: Im Sommer wollen sie zusätzlich ein Radioangebot starten: Goldstar Radio. Wie soll das positioniert sein?
Zmeck: Ähnlich wie Goldstar TV. Von der Musik her ist es das Thema „Schlager“ und das Thema „breite populäre Unterhaltung“. Wir haben uns dazu verpflichtet, 70 Prozent deutschsprachige Titel zu senden. Natürlich wird es auch einen Elvis geben, einen Eros Ramazzotti, Abba oder Frank Sinatra. Wir wollen aber bewusst hier ansässigen, deutschsprachigen Künstlern ein zusätzliches Forum geben.
mw: Wird der Radiosender frei empfangbar sein?
Zmeck: Ja, darin besteht die wesentliche Ausweitung. Der Sender ist werbefinanziert, frei empfangbar, wird analog und digital über Astra ausgestrahlt. Wir bemühen uns, auch noch zusätzliche terrestrische Frequenzen zu bekommen. Auch hier werden wir mit prominenten Moderatoren aufwarten, um von Anfang an zu zeigen, dass wir einen gewissen Anspruch haben. Wir werden das Programm auch live über unsere Website streamen.
mw: Welche Rolle spielt das Thema Internet insgesamt in Ihrer Strategie?
Zmeck: Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht. Wir sehen es vor allem als Ergänzung zu unserem TV-Programm. Wenn wir Stars hier im Studio haben, veranstalten wir im Anschluss an die Sendung häufig einen Live-Chat – dabei stoßen wir auf ein ungeheuer großes Interesse. Unsere Zielgruppe hat offenkundig überhaupt kein Problem, mit diesem neuen Medium umzugehen. Über unsere Homepage sind durch eine Kooperation mit cts eventim auch Tickets zu Veranstaltungen erhältlich.
mw: Was sind die nächsten großen Etappenziele für Goldstar TV? Wie stark ist Ihr Sender von der Gesamtentwicklung von Premiere World, die ja in punkto Abonnentenzahlen hinter den Erwartungen herhinkt, abhängig?
Zmeck: Beim Start hatten wir den Anspruch, uns als Leitmedium in der Schlagerbranche zu etablieren. Da sind wir schon weit, aber es fehlt uns noch ein Stück. Mit der Entwicklung bei Premiere World sind wir natürlich indirekt verbunden, wir selber liegen aber über den Erwartungen. Aber ich bin auch, was Premiere World als Ganzes betrifft, sehr zuversichtlich.
Zurück zu den Etappenzielen: Wir möchten uns noch mehr als Partner für die gesamte Musikbranche positionieren. Die Kooperationen, die wir bei großen Konzerten beispielsweise mit einigen Labels fahren, sind vielversprechend, und das möchten wir noch weiter ausbauen. Wir werden im Jahr 2002 das ein oder andere neue Element an Sendungen dazunehmen, etwa ein Schlagerquiz, oder eine dezidierte Wunschsendung.
Und dann haben wir noch das Projekt, als Produzent für TM3 eine zweistündige Live-Sendung mit interaktiven Elementen zur Primetime am Sonntagabend zu machen. Womit wir dann erstmals auch im Free TV tätig wären.
zur person Gottfried Zmeck Geschäftsführender Gesellschafter Goldstar TV Geboren am 21. September 1956 in Oberndorf, Österreich
Nach dem Studium an der Universität Wien (Kommunikation und Politikwissenschaft, abgeschlossen mit Magister phil.) war Gottfried Zmeck ab 1980 als Journalist beim Österreichischen Rundfunk (ORF) tätig, zunächst als freier Mitarbeiter in der Sportredaktion, dann als Redakteur im Aktuellen Dienst Fernsehen („Zeit im Bild“). Von 1982 bis 1984 war er Redakteur im Büro Bonn des ORF, anschließend Büroleiter bei Generalintendant Gerd Bacher in Wien.
Zwischen 1986 und 1989 berichtete Zmeck für den ORF aus London, bevor er 1989 zur Kirch-Gruppe als persönlicher Referent von Dr. Leo Kirch wechselte. Ab Februar 1982 erweiterte sich sein Aufgabenfeld als Unternehmenssprecher der Kirch-Gruppe. 1994 wurde er Geschäftsführer der Kirch-Kruppe, verantwortlich für die Bereiche Kommunikation, Personal, Stabsstellen.
Von April 1996 bis August 1999 war er Geschäftsführer der DF1 Digitales Fernsehen GmbH & Co. KG. Nach seinem Ausscheiden aus der Kirch-Gruppe im August 1999 gründete Zmeck als selbstständiger Unternehmer die Goldstar TV GmbH & Co. KG, die als privater Fernsehsender seit Anfang 2000 deutschsprachige und volkstümliche Schlager präsentiert.



