Mit einem Geschäftsmodell, das sich dezidiert von übrigen Sekundärangeboten im Ticketing absetzen will, agiert die eBay-Tochter StubHub nun auch im deutschen Markt. Dafür hat sie in Luxemburg eine Lizenzierung als Zahlungsverkehrsdienstleister erhalten: „Das zentrale Alleinstellungsmerkmal von StubHub in Deutschland ist unsere Lizenzierung als Zahlungsverkehrs-dienstleister“, sagt Oliver Thiemann, Country Manager Germany bei der eBay-Tochter StubHub, im Gespräch mit MusikWoche. „Unser Geschäftsmodell sieht vor, dass der Verkäufer eines Tickets erst dann sein Geld erhält, sobald das Event stattgefunden hat. Damit verringern wir weitestgehend den Anreiz für betrügerische Aktivitäten.“ Diese Lizenz, die man in Europa braucht, um Geld treuhänderisch zu verwalten, hat das Unternehmen bei der zuständigen Finanzaufsicht in Luxemburg, der Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF), beantragt und 2014 auch erhalten.
„Die strikten Vorgaben der CSSF führen dazu, dass unser Angebot absolut vertrauenswürdig ist.“ Das Geschäftsmodell von StubHub beschreibt Thiemann dabei als eine Weiterentwicklung bisheriger Ticketplattformen: „StubHub ist kein reiner Sekundärplatz mehr, sondern ein Marktplatz, der einen zusätzlichen Verkaufskanal für Veranstalter oder Vereine bietet. StubHub ist in seiner jetzigen Form somit eher ein Hybrid zwischen Primär- und Sekundärmarkt.“ Mit der Hörstmann Unternehmensgruppe – und damit mit Veranstaltungen wie dem Melt! oder splash! Festival – hat StubHub bereits einen Kooperationspartner gefunden, der auf die eigenen Ticketingkanäle setzt. „Das zeigt, dass wir einen Nerv getroffen haben. Denn unser Modell hilft den Veranstaltern bei der Auslastung ihrer Events.“
Zudem sei StubHub ein perfektes Vehikel, um Transparenz in den Markt zu bringen, führt Thiemann aus: „Wenn man primäre und sekundäre Tickets in ein und dasselbe ‚Schaufenster‘ stellt, kann der Kunde individuell entscheiden, was er haben will. In der Vergangenheit war es oftmals so, dass im Internet bereits sekundäre Tickets zu hohen Preisen verkauft wurden, obwohl es noch Primärtickets gab.“ Dabei fühle sich nicht nur der Fan hintergangen, auch der Veranstalter habe das Nachsehen – wenn er nämlich die Halle nicht voll bekomme und der Sekundärmarkt schon angesprungen ist, obwohl der Primärmarkt noch nicht abgeschlossen war. „Dem wollen wir mit unserem Transparenzmodell entgegenwirken.“
StubHub will Veranstalter überzeugen
„Uns ist klar, dass wir bei den Veranstaltern noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten müssen. Aber am Ende geht es darum, dass unser Angebot helfen kann, ihre Veranstaltung schneller auszuverkaufen.“ Darüber hinaus fungiere StubHub auch als Dienstleister im sekundären Bereich, wenn man etwa die personalisierten Hörstmann-Tickets auf den neuen Käufer umschreibe. „Der Vorteil für den Kunden ist, dass er alles aus einer Hand bekommt und nicht auf unsichere Dritt – kanäle ausweichen muss.“ Das StubHub-Modell sei nicht nur für Veranstalter sondern auch für Ticketing-Unternehmen interessant. „Wir führen bereits erste Gespräche mit entsprechenden Unternehmen“, deutet Thiemann an. Bei der Strategie von StubHub sei auch die Mutterfirma eBay ein wichtiger Faktor, da „sowohl eBay als auch PayPal vertrauenswürdige Marken sind, denen man Kompetenz im E-Commerce zuspricht“.
StubHub arbeite nicht nur bei der Kommunikation mit eBay zusammen, sondern auch in der Praxis: „Jedes bei StubHub gelistete Ticket taucht auch bei eBay auf, wodurch wir die immense Nachfrage bei eBay auf unsere Angebote kanalisieren können.“ Zwar räumt er ein, dass selbst StubHub nicht verhindern könne, dass auch gewerbetreibende Verkäufer die Plattform nutzen werden, um eventuell über teuerte Tickets anzubieten. „Doch dank unserer Luxemburger Zahlungsverkehrslizenz haben wir so strenge Auflagen, dass Anbieter, die sich in einem grauen oder schwarzen Bereich bewegen, uns meiden werden. Das liegt nicht zuletzt an der Impressumpflicht für Händler, die bei uns genauso gilt wie bei eBay.“ Deswegen fasst er zusammen: „Wir möchten das Image des sekundären Ticketings nachhaltig verbessern und dabei wieder den Kunden in den Mittelpunkt stellen.“
Oliver Thiemann arbeitet seit 2012 für StubHub und ist seiner Funktion als Country Manager Deutschland mit der Expansion in den deutschen Markt betraut. Das Entwicklerteam von StubHub sitzt in Shanghai, die Zentrale ist in San Francisco, während die europäische Expansion von London aus geleitet wird. In Berlin arbeiten derzeit sechs Mitarbeiter und ein Kundenservice-Team. Am Deutschland-Launch von StubHub haben bis zu 60 Personen in fünf verschiedenen Zeitzonen mitgewirkt.







